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Ortschaft Walkenried

Walkenried wird zum ersten Mal in einer allerdings gefälschten Urkunde des Klosters Goseck (bei Weißenfels) aus dem Jahr 1085 erwähnt, denn dort tritt ein Gauedler „Folmarus de Walkenreit“ als Vasall des Sächsischen Pfalzgrafen Friedrich II. als Zeuge auf. Der damalige Ort Walkenried lag nördlich der Wieda im Flurstück „Am Gericht“ und diente vermutlich als Wirtschaftshof der 1073-1074 von Kaiser Heinrich IV. begonnenen Sachsenburg, deren Reste man noch heute im Naturschutzgebiet Sachsenstein vorfindet.

 

1114 trat Folmarus in das Kloster Huysburg (bei Halberstadt) ein und schenkte diesem seine Güter in Walkenried. Seine Gemahlin Adelheid lernte 1127 auf einer Wallfahrt den neuen Orden der Zisterzienser kennen, verschaffte sich durch Tausch die Güter rund um Walkenried und stiftete dort ein Kloster, welches 1129 von einem Gründerkonvent aus dem Kloster Kamp am Niederrhein bezogen wurde. Damit begann der Aufstieg Walkenrieds zu einem der bedeutendsten und reichsten Klöster in Norddeutschland. 1191 wurde hier Herzog Heinrich der Löwe gesundgepflegt, und 1209 weilte Kaiser Otto IV. im Kloster und wurde in die „Walkenrieder Brüderschaft“ aufgenommen. Die frühgotische Klosterkirche, einst größte in Norddeutschland, wurde von 1209 bis 1290 erbaut, danach erfolgte der Bau der heute noch vorhandenen Klausurgebäude mit dem berühmten „Doppelten“, also zweischiffigen Kreuzgang. Die Kirche steht allerdings auf unsicherem Grund und ist zudem mit Gipsmörtel fundamentiert, was bereits Ende des 14. Jahrhunderts zu gravierenden Bauschäden und einem Neubau des Chors führte.

 

Der Aufstieg des Klosters kam gegen Ende des 15. Jahrhunderts zum Stillstand. Bereits vor den Beschädigungen im Bauernkrieg 1525 befanden sich nur noch 12 Mönche im Kloster. Trotzdem wurde noch 1531 der „Walkenrieder Altar“ von Göttingen hierher überführt. Er befindet sich heute in Teilen in Prag. 1546 erfolgten die Einführung der Reformation und die Gründung einer Klosterschule, welche bis in das Jahr 1668 bestand und viele bekannte Lehrer und Schüler aufweist.

 

Die Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel wurden nach einigem Hin und Her 1671 endgültig neue Landesherren, verpfändeten das Amt aber nochmals 1674 bis 1693 an das Herzogtum Sachsen-Gotha, welches hier u.a. nach Kupferschiefer forschen und (schlechte) Münzen prägen ließ. Ab 1710 wurde die Kirchenruine als Steinbruch genutzt, aus dessen Steinen u.a. 1725-1727 das herzogliche Jagdschloss Walkenried (heute Hotel) durch den Baumeister Hermann Korb erbaut worden ist. Das „Amt Walkenried“ als Nachfolger des Klosters gehörte bis 1945 zum Fürstentum und späteren braunschweigischen Landkreis Blankenburg. Aus dem Amt gingen u.a. das Amtsgericht und das Forstamt hervor. Beide Einrichtungen wurden inzwischen aufgelöst. Im zweiten Gebäude des früheren Amtsgerichts befindet sich heute die Gemeindeverwaltung.

 

Die Entwicklung Walkenrieds erhielt erst 1869 durch den Bau der Eisenbahnstrecke Northeim – Nordhausen neuen Auftrieb. Walkenried bekam einen Bahnhof, dessen Empfangsgebäude im Stil der englischen Tudorgotik als heute Privathaus genutzt wird. Die gipsverarbeitende Industrie siedelte sich mit zwei Frabriken in und bei Walkenried an, später entstand die lange Zeit blühende Walkenrieder Seifenfabrik von Karl Genzel. Die Einwohnerzahl begann zu steigen. 1899 wurde die „Südharz-Eisenbahn“ von Walkenried nach Braunlage eröffnet, deren Betrieb aber leider 1962 eingestellt und durch Busverkehr ersetzt wurde.

 

Das Kriegsende 1945 brachte Walkenried in eine Zonenrandlage, was – nach einem durch die Flüchtlinge aus dem deutschen Osten bedingten erheblichen Anstieg auf rund 3.000 Einwohner und einem „Boom“ durch jährlich bis zu 1 Million Grenzgänger – zur Schließung von Betrieben und zur Abwanderung von Bewohnern führte. Über den Eisenbahn-Grenzübergang Walkenried-Ellrich rollten bis zum November 1989 lediglich Güterzüge. Die Wende brachte die Öffnung des Bahnverkehrs und die Wiederherrichtung von Straßenverbindungen. Die Randlage Walkenrieds wurde aber nun durch ein Fördergefälle ersetzt, als dessen Auswirkung weitere Arbeitsplätze verlorengingen. Heute (2017) leben und arbeiten rund 2.300 Menschen in Walkenried. Das umfassend restaurierte Kloster wurde inzwischen Bestandteil des Weltkulturerbes Oberharzer Wasserwirtschaft und ist neben der wundervollen Gipskarstlandschaft mit zwei Naturschutzgebieten heute Anziehungspunkt für jährlich mehrere zehntausend Besucher aus aller Welt.

 

(Text: Verein für Heimatgeschichte, Quelle u.a. die „Walkenrieder Zeittafel“)

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