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Geschichtsverein und Ortsbücherei seit über 15 Jahren unter einem Dach

Geschichtsverein und Ortsbücherei seit über 15 Jahren unter einem Dach (Bild vergrößern)

„Auf dem Dorf muss man sich etwas einfallen lassen, wenn man kulturelle Einrichtungen erhalten will. Und das haben wir getan.“ Michael Reinboth vom Walkenrieder Geschichtsverein blickt auf mehr als 15 Jahre einer ungewöhnlichen Symbiose zurück. So lange nämlich betreut der Verein, der in der alten Walkenrieder Grundschule das Ortsarchiv und eine Ausstellung unterhält, die Bücherei des Klosterortes mit. „Damals hat sich Ruth Monicke aus Enttäuschung darüber, dass der Rat sämtliche Mittel für die Beschaffung von Büchern gestrichen hat, nach vielen erfolgreichen Jahren zurückgezogen. Aber deswegen das Leseangebot für Walkenried ganz aufgeben? Das wollten wir denn doch nicht.“

 

Der Verein übernahm die Betreuung der Bücherei und bietet seither während der Öffnungszeiten des Archivs (jeden Dienstag und Mittwoch von 15 bis 17 Uhr) auch die Möglichkeit an, in den zwei großen Räumen der Bücherei zu stöbern und Lesestoff auszuleihen. 

 

Das Ehrenamt von seiner besten Seite

 

Möglich wurde und wird dies auch dadurch, dass sich einige Walkenriederinnen und Walkenrieder hinter die Sache gestellt haben. „Zu allererst ist da Gisela Gust zu nennen, die sich jeden Dienstag zwei Stunden Zeit nimmt und die Ausleihe betreut. Sie sammelt auch die Lesewünsche der Kundinnen und Kunden ein. In jüngster Zeit erhält sie Unterstützung durch Martina Pollmeier. Beide lesen natürlich auch gern und können somit auch neue Bücher empfehlen. Claus Koch und Peter Piontek vom Verein sind in erster Linie für das Archiv da, aber dadurch können wir nicht nur Dienstag, sondern auch Mittwoch als Büchereitag anbieten. Ihnen allen, die ohne großes Trara ihr Ehrenamt ausüben, bin ich zu großem Dank verpflichtet. Ohne sie gäbe es keine Ortsbücherei Walkenried mehr.“

 

Beschaffung ohne Mittel der Gemeinde – wie geht das?

 

Leseratten wollen natürlich nicht nur die alten Bestände ausleihen („dies“, so Reinboth, „sogar zunehmend weniger“), sondern auch Neues lesen. Auch für Kinder muss immer wieder neuer Lesestoff her. Das Umwälzen des Bestandes ist dem Geschichtsverein in den vergangenen Jahren gut gelungen: Über 500 seit Jahren, teils Jahrzehnten nicht mehr nachgefragte Bücher wurden aussortiert und einem guten Zweck zugeführt, rund 800 neue Bücher für Erwachsene und Kinder wurden beschafft. Möglich wurde und wird dies durch Spenden, vor allem aber auch dadurch, dass der Verein die ihm für die Betreuung zustehende Aufwandsentschädigung, die von den Kürzungen nicht betroffen war und ist, zu 100 Prozent in den Erwerb neuer Bücher steckt. „Davon behalten wir nicht einen Cent, das geht alles in die Bücher rein“ erklärt Reinboth und rechnet vor: 6.000 Euro sind auf diesem Weg in den 15 Jahren für den Bücheretat zusammengekommen. Spenden kommen noch hinzu. Damit ließ und lässt sich eine Menge machen.

 

Reinboth legt dabei Wert auf ein breit gefächertes Angebot, das von Romanen (auch Serien) über Kinderbücher wie den Drachen Kokosnuss, das magische Baumhaus (inzwischen 80 Exemplare vorhanden) oder den Bären Paddington und James Krüss bis hin zu politischer und geschichtlicher Literatur reicht. „Die Gemeinde hat da immer noch einen Bildungsauftrag, und dem versuchen wir gerecht zu werden.“

 

Das Motto ist dabei: Nur ein „richtiges Buch“ zählt. Dazu gehören auch Taschenbücher („gut geeignet, um abends im Bett noch zu schmökern“), nicht jedoch Hörbücher und elektronische Lesegeräte, also E-Book-Reader mit entsprechendem Nachschub. Das das angesagt ist, weiß man auch beim Verein, jedoch würde das den Rahmen des in Walkenried Möglichen sprengen. Und Unterstützung im Sinne einer aktiven finanziellen Förderung gibt es weder von der Gemeinde noch vom Kreis oder vom Land. „Da kommen nur Zeitschriften mit Ratschlägen – und einmal jährlich kommt eine Anfrage zur Statistik, die an dem, was hier möglich ist, völlig vorbeigeht.“ Reinboth geht ein paar Mal im Jahr in das Bürgerzentrum des Hannoverschen Stadtteils Ricklingen. „Die haben eine kommunal gestützte enorme Leihbücherei mit elektronischer Ausleihregistrierung und anderem drum und dran, da mag das passen. Für uns jedoch nicht. Aber wir kommen ja auch so ganz gut zurecht.“

 

Olsztynek- und Juliushütte-Ecken regen zum Nachdenken an

 

Zuletzt hat der Geschichtsverein zwei kleine „Ecken“ eingerichtet. Da ist zum einen eine – sogar mit eigenem Lesesessel versehene – Ecke mit Literatur über die Walkenrieder Partnergemeinde Olsztynek im polnischen Masuren und die Ecke zur Juliushütte, in der der Verein alles ausliegen hat, was es an Literatur über das KZ Ellrich-Juliushütte und seine furchtbare Geschichte zu lesen gibt.

 

Mittlerweile hat sich der Raum für die „Erwachsenen-Literatur“ auch zu einem gut nachgefragten Treffpunkt für Versammlungen, Vorträge oder Besprechungen entwickelt. Auch dies steht in der Tradition von Ruth Monicke, die vor vielen Jahren zusammen mit Frank Uhlenhaut „Nah dran“ ins Leben gerufen hat. „Das damals angeschaffte Geschirr und Mobiliar nutzen wir immer noch.“

 

„Das hier ein Schatz von 3.000 Büchern für Erwachsene und 1.000 Büchern für Kinder vorhanden ist und gepflegt wird, könnte sich im Ort ruhig noch etwas herumsprechen“ meint Reinboth. Vor allem Kinder sollten seiner Meinung nach wieder mehr an das Lesen herangeführt werden. „Das Lesen eines Buches regt zum Denken an und nimmt Hektik raus – beides kann unsere Smartphone-Generation, denke ich, ganz gut gebrauchen. Wir haben dafür alles, nicht nur die Bücher, sondern auch Leseecken – und vor allem: Die Ausleihe ist sowohl für Kinder wie für Erwachsene kostenlos.“ Und: Wer die Bücherei aufsucht, hat zugleich die Möglichkeit, die Ausstellung und die Walkenrieder Bildergalerie zu besichtigen, auch dies natürlich unentgeltlich. Erklärungen, wenn gewünscht, inklusive.

 

„Wir sind der Gemeinde Walkenried dankbar dafür, dass sie die Räume weiterhin kostenlos zur Verfügung stellt, alles andere – bis hin zum Staubsaugen – übernehmen wir.“ Nur eines, so Reinboth abschließend, könne man nicht mehr: Die riesigen Fenster putzen… Aber was diesen Punkt betrifft, zitiert er gern seinen Opa: „Bücherstaub ist heilig“ habe der auf das Ansinnen seiner Gattin nach einer Putzaktion immer geantwortet. Und damit war die Sache erledigt.

 

Fotoserien

Bücherei Walkenried 2026 (DO, 07. Mai 2026)

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